Geschenke als Incentives für Kinder

Ein Begriff, der ursprünglich aus Unternehmensführungskreisen stammt, hält mittlerweile in die Welt der Kinder Einzug. Die Rede ist von Incentives. Diese werden zur Motivation eingesetzt, um bestimmtes Verhalten zu erzeugen. Erwartetes, gefördertes Verhalten manifestiert sich aus Sicht der Unternehmen in Kaufanreizen und Markentreue. Bezogen auf die Erziehung der Kinder werden Incentives eingesetzt, um Leistungen zu belohnen, allzu oft aber auch, um unerwünschtes Verhalten zu unterdrücken.

Zeitungsverlage, gastronomische Einrichtungen, Lebensmittelhersteller, Produkte für Kinder beschränken sich nicht mehr auf das Kerngeschäft – sogar manches Kleidungsstück ist mit einem kleinen Geschenk versehen. Der Einkauf solcher Incentives ist nicht teuer, hat aber eine enorme Wirkung. Wer regelmäßig mit Kleinkindern beim Bäcker oder am Fleischstand kauft, erkennt sehr bald, dass auch die Kleinsten schon auf das lockende Zusatzprodukt warten und es schlimmstenfalls lautstark einfordern. Die Bindung an eine Marke oder ein Produkt geschieht auf diese Weise rasant, was ganz im Sinne der Hersteller ist.

Kinder leben in einer speziell auf sie zugeschnittenen Konsumwelt. Daher ist die Freude über kleine oder größere Geschenke groß, selbst wenn kein richtiger Anlass besteht. Incentives sind schon lange ein Mittel, um Kinder zu guten schulischen Leistungen oder Hilfe im Haushalt anzuspornen. In den Augen mancher Eltern lernen die Sprösslinge auf diese Weise die sogenannte Leistungsgesellschaft kennen. Ohne Leistung gibt es keine Belohnung. Besonders durch monetäre Geschenke versuchen Eltern das Empfinden für finanzielle Werte zu wecken. Dabei spielt es eine große Rolle, in welchen Dimensionen Incentives gewährt werden und in welchem Zusammenhang diese Dimensionen zu den familiären Wirtschaftsverhältnissen stehen. Geschenke zwischendurch kann man nicht generell verteufeln. Mit welcher Häufigkeit Incentives verschenkt werden und welche Konsequenzen daraus resultieren, wenn das gewünschte Verhalten nicht eintritt, das sind zwei Punkte, die zu einem situationsspezifischen Urteil führen. Klare Regeln, wann und unter welchen Umständen Belohnungen zu erwarten sind, helfen der ganzen Familie. Hingegen sind spontane Entschlüsse wie: „Wenn Du brav mit mir einkaufen gehst, bekommst Du …“ kontraproduktiv, da Kinder einen Mechanismus entdecken, um sich genau das abzutrotzen. Geschenke als Belohnungen für Leistungen müssen auch dann überdacht werden, wenn ein Kind regelmäßig die Ziele erreicht, Bruder oder Schwester aber regelmäßig leer ausgehen, egal aus welchem Grund. Ganz klar wird in einem solchen Szenario ein Kind dem anderen vorgezogen, wenn auch nicht beabsichtigt.

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